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RAUCHEN VERÄNDERT DIE MUNDFLORA
11.06.2016 11:55

 

RAUCHEN VERÄNDERT DIE MUNDFLORA

 

Wer regelmäßig raucht, hat eine andere Mundflora als Nichtraucher. Zu diesem Ergebnis kamen US-Forscher. Ihre Untersuchung zeigt, dass Rauchen das Wachstum von mehr als 150 Bakterienarten fördert und das Wachstum von 70 weiteren Bakterienstämmen stark einschränkt. Das könnte z. B. zu mehr Karies führen. Die Forscher befürchten aber auch, dass das Risiko für Krankheiten im Mund- und Rachenraum oder sogar im Darm dadurch erhöht werden könnte.

Es gibt vermehrte Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen einer gestörten Darmflora und Immunerkrankungen wie Morbus Crohn oder einigen Darmkrebsarten. Experten schätzen, dass rund ein Drittel aller Krebserkrankungen des Mundraums durch Rauchen verursacht wird. Offen ist noch, ob eine durch Rauchen veränderte Mundflora dieses Krebsrisiko erhöht. Die aktuelle Studie konnte nun zumindest erstmals zeigen, dass Rauchen zumindest einen Einfluss auf die Zusammensetzung der Bakterienzusammensetzung im Mundraum hat.

Das Wissenschaftlerteam aus den USA hatte die Zusammensetzung der fast 600 verschiedenen Bakterienarten in der Mundhöhle von Rauchern (112), ehemaligen Rauchern (571, davon 17 %, die innerhalb der letzten 10 Jahre aufgehört hatten) und Nichtrauchern (521) analysiert. Insgesamt hatten sie Proben von rund 1.200 männlichen und weiblichen US-Amerikanern über 50 Jahre ausgewertet. Die Probanden hatten ursprünglich an einer Studie zum Krebsrisiko teilgenommen.

Weniger Proteobakterien-Spezies und mehr Streptokokken
Die Forscher nutzten für ihre Auswertungen genetische Tests und statistische Analysen, um die vielen unterschiedlichen Bakterien im Mundraum zu unterscheiden. Das Team stellte so fest, dass bei Rauchern weniger Proteobakterien in der Mundhöhle zu finden waren als bei den Nichtrauchern. Diese sind u. a. am Abbau giftiger Stoffe beteiligt. Außerdem fanden sie bei den Rauchern 10 % mehr Streptokokken, die mit der Entstehung von Karies in Verbindung gebracht werden.

Unklar ist bisher, welche Konsequenzen die festgestellten Veränderungen des Mundmikrobioms bei Rauchern haben. Die Ergebnisse könnten darauf hinweisen, dass die beobachteten Veränderungen auch andere Krankheiten im Mund- und Rachenraum oder in anderen Körperregionen nach sich ziehen. Denkbar sei, dass die Abwehr des Körpers gegenüber krebserregenden Stoffen der Zigaretten geschwächt würde. Das müsse aber erst in weiteren Studien betrachtet werden.

Rauchstopp: Bakterien-Zusammensetzung regeneriert sich
Die gute Nachricht: Die Bakterien-Zusammensetzung erholt sich offenbar nach einem Rauchstopp. So hatten jene Probanden, die das Rauchen mindestens zehn Jahre zuvor aufgegeben hatten, die gleiche Bakterien-Zusammensetzung wie die Studienteilnehmern, die noch nie geraucht hatten. Noch ist nicht bekannt, wie lange die Mundflora benötigt, um sich wieder auf den Normalzustand einzupendeln. Die Forscher planen deshalb weitere Studien, um dieser Frage nachzugehen.

Quelle:
Jing Wu, Brandilyn A Peters, Christine Dominianni et al.: Cigarette smoking and the oral microbiome in a large study of American adults. The ISME Journal, 2016; DOI:10.1038/ismej.2016.37

 

 

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