Willkommen

bei Praeventolife


Personalisierte Ernährung

 

 

Offensichtlich reagieren Menschen unterschiedlich auf eine identische Nahrungsaufnahme. Das Konzept der „personalisierten Ernährung“ ist vielen komplementärmedizinischen Verfahren nicht fremd. Israelische Wissenschaftler konnten nun zeigen, dass sich die Reaktion des postprandialen Blutzuckerspiegels auf bestimmte Nahrungsmittel vorhersagen lässt. Dabei scheint auch die Darmflora eine Rolle zu spielen.

 

Viele medizinische Therapien sind nicht so wirksam, wie man es erwarten würde. Bei einem Patienten helfen sie, bei einem anderen nicht. Offensichtlich sind Krankheiten so verschieden wie die Menschen; eine Einsicht, die vielen komplementärmedizinischen Verfahren seit Jahrhunderten zugrunde liegt. Aus dieser Erkenntnis hat sich in der konventionellen Medizinwissenschaft die auch als „personalisierte Medizin“ bekannte Richtung entwickelt, die die molekularen Unterschiede von Erkrankungen zu entschlüsseln versucht und dafür jeweils passende Arzneimittel entwickelt. Nun haben israelische Wissenschaftler herausgefunden, dass Menschen auch unterschiedlich auf bestimmte Nahrung reagieren. Sprechen wir demnächst also auch von der „personalisierten Ernährung“?

Fakt ist, dass nach jeder Mahlzeit der Blutzuckerspiegel ansteigt und zwar abhängig von der Zusammensetzung der Mahlzeit. Zur Messung der sogenannten postprandialen glykämischen Reaktion (postprandial glycemic responses - PPGR) dient der glykämische Index oder der Kohlenhydrat-Anteil der Nahrung. Ein erhöhter postprandialer Blutzuckerspiegel gilt als wichtiger Risikofaktor für Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und damit auch für Adipositas und metabolisches Syndrom. Es hat sich gezeigt, dass die Glukose-Reaktion bei Menschen variieren kann. Bisher wurden diese individuellen Unterschiede bei der PPGR auf Faktoren wie die genetische Veranlagung, den Lebensstil, die Insulinsensitivität oder das Aktivitätsniveau des exokrinen Glykosetransports zurückgeführt. Über den Einfluss der Darmflora war bisher in diesem Zusammenhang wenig bekannt.

Gleiche Nahrung – abweichende Blutzuckerspiegel
In einem ersten Schritt untersuchten die Forscher 800 Probanden daraufhin, wie sich verschiedene Nahrungsmittel auf ihren Blutzuckerspiegel auswirken. Im Rahmen der Studie führten die Studienteilnehmer ein Ernährungstagebuch und protokollierten ihre körperliche Aktivität sowie ihr Schlafmaß in einer Smartphone-App. Ebenfalls festgehalten wurden Daten zu Lebensstil, medizinische Daten, Körpermaße und Bluttestergebnisse sowie die Auswertungen von Stuhlproben. Letztere wurden auch auf Darmmikroben untersucht, deren Bedeutung im Zusammenhang mit Adipositas und Diabetes diskutiert werden. Insgesamt konnten die Wissenschaftler die individuellen Reaktionen auf mehr als 46.000 Mahlzeiten auswerten.

In dieser ersten Phase zeigte sich, dass die Blutzuckerspiegel der verschiedenen Probanden sehr unterschiedlich auf Mahlzeiten reagierten und zwar zum Teil extrem. Bei manchen Teilnehmern stieg z.B. der Glukosewert nach dem Verzehr von Brot stark an, bei anderen kaum. Es gab auch Teilnehmer, bei denen stieg der Blutzuckerspiegel durch eine Banane extrem an, bei Keksen dafür nicht.

Lässt sich die Blutzuckerreaktion vorhersagen?
Die Forscher wollten nun wissen, ob sich die die individuelle Reaktion auf ein Nahrungsmittel auf Basis des Lebensstils, des medizinischen Befundes und der Zusammensetzung und Funktion der Darmflora einer Person vorhersagen lässt. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass sich sowohl der postprandiale Blutzuckerspiegel als auch der Einfluss des Lebensstils mit einem von ihnen aufgestellten Algorithmus abschätzen lässt.

Ist die Konsequenz ein individueller Ernährungsplan?
In einem weiteren Schritt analysierten die Forscher nun, ob man dank des Algorithmus persönliche Ernährungsempfehlungen z.B. zur Senkung des Blutzuckerspiegels aussprechen kann. Dazu ernährten sich Testpersonen eine Woche lang nach einer individuell auf sie zugeschnittenen „guten" oder „schlechten" Ernährung. Die Zusammensetzung der Nahrung variierte dabei, aber die Kalorienanzahl blieb unverändert. Bei der ungünstig zusammengesetzten Ernährung erlebten die Probanden häufig Blutzuckerspitzen, während die für sie „gute“ Nahrungszusammensetzung dazu beitrug, den Blutzuckerspiegel konstant auf einem gesunden Niveau zu halten. Es zeigte sich aber auch, dass sich die Zusammensetzung der Darmmikroben durch die personalisierten Mahlzeiten konstant änderte. Hier bieten sich also neue Ansätze für weitere Forschungen.

 

 

 

Die Studie  finden Sie hier:   Studie